klinisch-psychologische Eignungsabklärung – done! also eigentlich …

… nur die psychologische Abklährung, aber von Anfang an:

Ich wurde für den Donnerstag, 7. September 2007 ins FAI (FliegerÄrztlichesInstitut) nach Dübendorf aufgeboten. Dort habe ich schon das Screening vor zwei Jahren durchgeführt. Auf dem Traktandum stand die klinisch-psychologische Eignungsabklärung. Mehr Infos gabs nicht wirklich. Nur dass ich einen Lebenslauf erstellen müsse, mit vielen Infos. z.B. dem Militärischen Lebenslauf des Vaters und so Zeug.

Am Donnerstagmorgen, kam ich mit fünf Minuten Verspätung dort an. Es war bereits ein anderer junger Mann dort anwesend, später stellte sicher heraus, dass er auch die Eignungsabklärung hat. Wir wurden zusammen in einen Raum gebracht und mussten zuerst einen Fragekatalog mit 185 Fragen ausfüllen. Welche hauptsächlich Fragen wie:

“Würden sie lieber als Architekt oder Berater arbeiten”, oder:
“Lesen sie am Abend lieber ein Buch, oder gehen sie mit Freunden aus” enthielten.

Und auf alle Fragen konnte mit “stimmt, stimmt nicht, ?” geantwortet werden. Das Fragezeichen war dafür da, wenn eine Frage nicht verstanden wurde. Wie ihr euch denken könnt, nicht ganz einfach diese Fragen zu beantworten. Nach diesen Fragen mussten wir einen Aufsatz mit dem Thema “Warum ich Militärpilot werden will” schreiben.
Nachdem kam ich zu einem Pychiater/Psychologen, eigentlich hätte ich von einer Psychologin untersucht werden müssen, da sie aber krank war, sprang er ein. Er selber arbeitete nicht mehr beim FAI und hat eine eigene Praxis, springt aber in Engpässen immer wieder ein. So wurden wir während dem Gespräch von einer seiner Klientin unterbrochen, welche gerade unbedingt psychologischen Rat brauchte. Der Psychologe wollte von mir allerhand wissen, zuerst musste ich ihm meinen Vortrag vorlesen, den Lebenslauf abgeben (indem er übrigens sofort gesehen hat, dass ich Skorpion sei *g*). Dann wollte er vieles über mein Leben wissen, wie die Schulzeit war, über die Eltern, Schwester, die Aushebung, etc. etc. etc. Einfach ein gesamtes Bild über mich. Denn er muss mich beurteilen und den beiden Chefpsychologen eine Empfehlung von mir abgeben, ob ich geeignet bin als Militärpilot. Im grossen und ganzen war er von mir ziemlich begeistert und sagte mir, dass er mich als Pilot empfehlen werde.

Nach diesem ziemlich interessanten Gespräch – alles von seinem Leben nochmals aufholen und zu erzählen ist gar nicht so einfach – wurde ich ins Labor gebracht. Und von einem Mitarbeiter in die Augentesträume gebracht. Dort standen zwei Augentestgeräte, beide bestanden hauptsächlich aus einer Halbkugel. Beim ersten musste ich mit einem Auge in die Halbkugel schauen, dann kamen in kurzen Abständen immer wieder kurze (1/10 Sekunde lang) verschieden helle und verschieden grosse Lichtpunkte auf der Kugel nach einem kurzen Signalton. Ich musste mit einem Taster bestätigen wenn ich einen der Punkte gesehen habe oder nicht. Gar nicht so einfach das ganze, vorallem ultra anstrengend. Zum Glück konnte man die Augen schliessen und kurz Pause machen, das Gerät merkt das. Beim rechten Auge war ich genau im Durchschnitt. Beim linken Auge bin ich zwei mal in die Fallen geraten. Denn nicht immer nach einem Signalton kommt auch ein Lichtpunkt (sonst hätte man ja schummeln können), aus diesem Grund war das Resultat knapp über dem Durchschnitt aber immer noch in der Toleranz.
Der nächste Test untersuchte die Anpassungsfähigkeit an die Dunkelheit. So musste ich (mit beiden Augen) in eine Halbkugel schauen, dabei wurde ich zuerst fünf Minuten mit Licht geblendet, danach wurde das Licht vollständig ausgeschaltet. In längeren Zeitabständen wurden mir Linien gezeigt, welche langsam immer heller wurden. Sobald ich erkennen konnte ob sie horizontal oder vertikal sind, musste ich das melden. Dieser Test ging über 30 Minuten, war aber überhaupt nicht anstrengend, im Gegensatz zum vorherigen. Bei diesem Test war ich im Durchschnitt.

Nun konnte ich Essen gehen. Danach ging es weiter mit einem Bluttest, Urinprobe, einem Lungenvolumentest und einem Hörtest. Nach diesen kam ich nochmals zu meinem Psychologen und den beiden Chefpsychologen. Mein Psychologe hat zuvor den anderen beiden seine Meinung und Empfehlung abgegeben. Die beiden Chefpsychologen wollten mich nun auch kennenlernen und stellen mir ein paar Fragen. Zuerst ging es um Rahel und mich. Sie wollten wissen, warum sie eine so grosse Rolle in meinem Leben spielt (ich hatte sie im Aufsatz erwähnt), wie die Beziehung mit uns läuft, was ihre Ziele im Leben sind und wie ich sie dabei unterstützen kann. Für mich zuerst sehr spezielle Fragen, die die beiden eigentlich ja nicht so viel angehen. Aber nun ist mir wohl klar warum sie diese Fragen stellten, denn im Fragekatalog, welchen ich am Morgen ausgefüllt hatte, ging es ein paar mal um das Vertrauen zu fremden Personen und ob ich viel von meinem Privaten an Fremde weitergebe oder viel für mich behalte. Da ich immer geantwortet habe, dass ich viel von meinem Privaten erzähle, wollten sie das wohl kontrollieren. Die anderen Fragen der beiden Chefpsychologen umfassten die Tatsache, dass ich die Offiziersschule absolvieren muss. So wollten sie hauptsächlich wissen, wie ich zu diesem Thema stehe, ob ich auch ohne die Militärpilotenausbildung die Offiziersschule absolvieren würde. Nach diesem kurzen Gespräch wurde ich wieder rausgeschickt und die drei fällten den Entscheid über mich. Kurze Zeit später wurde ich von meinem Psychologen über den Entscheid aufgeklärt: Tauglich!

Nach dem psychologischen Entscheid ging es weiter mit den ärztlichen Tests. Ich wurde am ganzen Rücken geröngt (insgesamt 8 Röntenbilder und super unbequemen Positionen – jetzt weiss ich noch besser wie es meinen Fotomodels ergeht ;) ).
Zum Schluss des Tages wurde bei mir ein EEG durchgeführt. Dabei wurden mir über 30 Elektroden an den Kopf mit einer ziemlich schmerzenden Sand-Salz Paste an den Kopf gemacht. Danach musste ich ruhig auf eine Liege liegen. Nach einigen Minuten musste ich so tun als würde ich ein Ballon aufblasen und das drei Minuten lang. Eigentlich ganz einfach könnte man denken, ja denkste! Das pusten ist nicht das Problem, sondern das liegen. Denn durch das liegen gibt es eine Gefässerweiterung irgendwo im Körper und das Hirn bekommt zu wenig Sauerstoff, so wird es einem schwindlig und alle Extremitäten beginnen zu “chrüsele”, wie wenn einem die Hand eingeschlafen ist. Ziemlich unangenehm sag ich euch. Dann konnte ich mich fünf Minuten ausruhen um das ganze wieder drei Minuten lange zu wiederholen. Nach weiteren fünf Minuten Pause wurde ich mit einem Strobo von 5Hz-25Hz beblitzt.
Nun warum das Ganze? Man wollte herausfinden ob ich Epilepsie habe oder nicht. Das Resultat weiss ich noch nicht, aber etwas spezielles habe ich während der ganzen Prozedur nicht feststellen können an mir, nur dass es halt ziemlich unangenem war.

Ja das war er der erste Teil der Eignungsabklärung. Eigentlich so wie ich es mir vorgestellt habe: Tests Tests Tests :)
Doch fertig ist es noch lange nicht, so muss ich ein zweites Mal in das FAI, dieses Mal zwei Tage lang, um noch einen Sporttest und sicher viele andere Tests zu absolieren. Eine Hürde (die Psychologische) ist aber sicher genommen.

Ich werde euch auf dem Laufenden halten =)

Michael


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