Winke, winke! Willkommen neues Leben.

Sie ist also weg, weg für drei Monate, ganz alleine unterwegs ins entfernte Neuseeland um dort Englisch zu lernen, weg von unserem Leben hier, hin in ein neues Leben, für drei Monate in einer neuen Familie, einem neuen Umfeld. Mit “sie” ist übrigens Rahel meine Freundin gemeint.

Ja und ich? Ich bin weiter am Wochenende in Dübendorf in einer riesigen 4-Zimmer Wohnung und während der Woche in Payerne. Da sich für Rahel das Leben ziemlich stark ändern wird, will ich mich auch ein bisschen ändern, klar passiert dies automatisch, da ich die Freizeit am Wochenende vor allem mit Rahel verbracht habe, aber ich will diese Veränderungen ein bisschen steuern. Natürlich alle 24, Lost, Futurama und Simpsons Seasons durchzuschauen hat durchaus auch seinen Reiz, aber wirklich sein kanns das nicht (auf was man nicht alles kommt beim Duschen).

Die erste Veränderung wird meine Webseite umfassen. Schon lange nerve ich mich über die Kombination von Galerie, Portfolio und dem Blog. In der Galerie habe die meisten meiner Bilder um die verschiedenen Fasetten meiner Arbeit zu zeigen. Im Portfolio soll ein allfälliger Kunde direkt eine Übersicht über meine Arbeit kriegen und im Blog gings früher eigentlich fast nur um die Fotografie, doch heute ist dieser immer mehr mit privatem gefüllt anstatt Fotografentechnischen. Und all diese drei Teile sind auf einer Webseite kombiniert. Dass ein zukünftiger Kunde von mir, direkt vom Blog erschlagen wird, anstatt das Portfolio zu sehen bekommt, will ich nicht mehr länger hinnehmen. Aus diesem Grund werde ich  den Blog von der Galerie und dem Portfolio trennen, mit dem Gedanken, ob ich überhaupt noch eine Galerie brauche, bin ich immer noch am kämpfen.

Auch hier im Blog selber wird sich verändern, da er nicht mehr sofort von Kunden gesehen wird, werde ich auch andere Themen ansprechen, die nicht gerade mit der Fotografie, der Technik und dem Militärpiloten zu tun haben werden. Was diese Themen genau sind, weiss ich noch nicht wirklich, doch will ich mir selber diese Möglichkeit offen halten. Die Wochenrückblicke der Militärwochen werden auch anders ausfallen, klar tat es mir gut die Wochen nochmals mit einem Blogeintrag zu verarbeiten, doch je länger ich dabei bin, gibt es weniger zu schreiben. So wird es wohl in Zukunft immer noch Rückblicke geben, doch sind diese in unregelmässigen Abständen und verschiedenen Längen, halt je nach dem was gerade interessantes passiert in Payerne. Daneben will ich auch mehr über den Hintergrund berichten, nicht was genau geschehen ist (denn das wird immer mehr geheimer), sondern was für Erfahrungen ich in der Ausbildung mache, denn immer mehr gibt es Konflikte und grössere Diskussionen in der Gruppe, welche ich sehr interessant finde und auch euch vieleicht interessieren könnten, was man alles so als Führer erlebt.

Kommen wir also kurz dazu was in den letzten beiden Wochen so geschehen ist. Die Woche vom 1. Sept war vor allem geprägt durch Technischen Dienst und dabei für mich Funkausbildung. Wir haben, wie schon die anderen Wochen, die verschiedenen Funkgeräte kennengelernt, Fahrzeuge beladen, wie wir sie später im Einsatz benutzen werden, und viel funken geübt.

Am Donnerstag und Freitag war die Übung “TEACHER” angesagt, in der es darum ging, zusammen mit der Offiziersschule während zwei Tagen, eine Kompanie mit verschiedenen Zügen nachzuspielen, so wie wir es während der AGA erleben werden. Dann war (leider erst am Samstag) das Wochenende angesagt. Achja während der Übung “TEACHER” war auch die Militärsportauszeichung angesagt, ich habe wegen eines schlechten Resultates im Klettern die geforderten 80ig Punkte leider verpasst und somit das Ribbon nicht geholt. Doch wie beim verpatzten Schiess-Abzeichen habe ich auch hier nochmals die Möglichkeit dieses zu holen.

Am Montag der Woche des 8. Sept begann schon die zweite Übung mit dem Namen “EVAC”, dieser Name machte zuerst für niemanden Sinn, schnell wurde uns aber klar, dass dieses Wort von “Evakuieren” kommt. Denn wir mussten wegen Chlorgasaustritt in der Nähe der Kaserne in ein ca. 6km entferntes Notlager mit Vollschutz BG4 verschieben. Nach diesem für einige sehr anstrengenden Marsch, konnten wir unser Notlager in einem Bauernhof einrichten und verbrachten eine sehr bequeme Nacht im Stroh und Heu.
Dienstags war endlich wieder mal schiessen angesagt, wir lernten wie die Abläufe einer Schiessausbildung sind und wie die Schiessbefehle richtig geschriehen werden, dabei mussten die anderen jeweils Rekruten spielen und jeder konnte einige Schuss in die Scheiben schiessen, nach circa vier Wochen ohne Schussabgabe machte dies wieder mal richtig Freude. Dies waren auch die ersten beiden Tage der Führungsausbildung, die restlichen Tage der Woche waren wir wieder im Technischen Dienst und ich habe gefunkt und gelernt was das Zeug hält.
Am Freitag stand für die Offiziersanwärter die Kaderbeurteilung II in Sumiswald auf dem Programm. Wir mussten eine kleine Präsentation vorbereiten und verschiedene Tests absolvieren, von denen ich einige schon von der Aushebung und der Pilotenselektion kannte, so war es für mich kein grosses Problem die Kaderbeurteilung II zu bestehen und damit auch noch das letzte Puzzleteil in meiner Laufbahn zum Offizier zu sammeln. Glücklicherweise mussten wir nach Sumiswald nicht mehr zurück nach Payerne verschieben und konnten um ca 17.00 Uhr in Burgdorf in unseres verdientes Wochenende gehen. Ich ging natürlich auf dem schnellsten Weg in den Flughafen Zürich und verabschiedete dort meine Rahel.

Nächste Woche ist zuerst wieder mal Technischer Dienst mit einer kleinen Übung angesagt. Ab dem Mittwoch werden wir die Übung “GUISAN” beginnen. Was diese alles enthält wurde uns natürlich noch nicht gesagt, die Gerüchte gehen aber von Campieren bis zu einer kleinen Durchhalteübung.

So und jetzt gehe ich in ein 1,6 Meter breites Bett, welches ich die nächsten drei Monate ganz für mich alleine haben werde, während dem mein Schatz heute versuchen wird in ihrem nicht sehr bequemen Economy Sessel im Flugzeug nach Aukland zu schlafen.


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