PC-7 Selektion: nicht bestanden

Liebe Familie, Freunde, militärische Vorgesetzte, Fliegereiverrückte, andere Pilotenanwärter oder einfach sonst Leute die meinen Traum verfolgen:

So sitze ich jetzt also hier, komme zurück von der Pilotenselektion in Locarno, mit dem Wissen, dass ich in meinem Leben kein Berufsmilitärpilot werden kann. Vieles, ja sogar sehr vieles, habe ich dafür gegeben, dass ich meinen Traum, Helikopterpilot der Schweizer Luftwaffe, verwirklichen kann. Doch leider musste ich erfahren, dass es nicht gereicht hat. Die PC-7 Selektion mit ihren 18 Flügen hat super  Spass gemacht, ich habe vieles gelernt, nicht nur das Fliegen einer PC-7, sondern ich habe viele neue Menschen kennengelernt und super Stunden mit Gleichgesinnten erlebt. Doch wie gesagt, hat es nicht gereicht, obwohl “gereicht” der falsche Ausdruck dafür ist, vielmehr hat es nicht gepasst.

Ich will euch erklären, warum es aus der Sicht der Luftwaffe nicht geklappt hat, doch muss auch verstanden werden, dass ich nicht zu viel sagen kann und darf, da gerade meine blogerische Tätigkeit zu diesem Entscheid geführt hat. Klar ich könnte nun eine grosse Hetzjagd gegen diesen Entscheid im Web 2.0 starten und hätte damit wohl auch Erfolg, doch liegt mir einiges an der Fliegerei der Schweiz und ich will meinen Kollegen, welche es geschafft haben nicht die Zukunft verderben.

Angefangen hat es damit, dass ich in der zweiten Woche einen Blogeintrag über die Selektion geschrieben habe (welcher in der Zwischenzeit von mir gelöscht wurde), in dem ich einerseits über die vergangenen Tage berichtet habe und andererseits Kritik geübt habe, dass während der Selektion nicht fotografiert werden darf, obwohl dies in der Vergangenheit mit den gleichen Befehlen für mich möglich war. Dieser Text wurde schnell zu einem Gespräch in der Selektion und mir wurde klar, dass ich nicht mehr einer unter 8000 Rekruten bin, sondern nun zu einer viel kleineren Gruppe gehöre und meine Worte viel stärkeren Einfluss haben können.
Neben diesem Vorfall, gab es einen weiteren in welchem ich zeigte, dass ich gerne die Grenzen des Systemes erkunde, so bin ich in einem Prüfungsflug unerlaubt durch die Wolkendecke geflogen.

Diese beiden Dinge und einige andere kleineren, zeigten dem Selektionsteam, dass ich zwar sehr engagiert und initiativ bin, doch durch meine exhibitionistische Art, in der ich mich in den neuen Medien bewege, und meine hohe Initiative auch eine Gefahr für das System darstelle und ich die Grenzen teste. So kommt es, dass ich alle Punkte, die ich als Pilot benötige (Psychologisch, Physisch, Militärisch und Fliegerisch) zwar erfülle, einige davon auch mit Bravour, doch aus Gefahr für das System auf ein fliegerisches und technisches Talent verzichtet wird, auch wenn Piloten in der Luftwaffe aktuell rar sind.

Ich weiss im ersten Moment klingt das unmöglich, doch das ist die Begründung. Selber hatte ich auch zuerst einige Stunden Zeit nötig, um alles zu verstehen und so schreibe ich diesen Text auch erst einen Tag nach der Entscheidungsverkündung. Man ist als Berufsmilitärpilot immer noch im Militär und hier sind zu viel Initiative und ein bisschen querdenkende Personen nicht gerne gesehen.

Ich akzeptiere diesen Entscheid, freue mich über das erlebte und nehme so viel wie möglich davon mit und versuche nun meinen Weg in der Informatik zu finden. Ob ich jemals wieder in die Berufsfliegerei einsteige, steht noch in den Sternen, zuerst will ich meine Tage wieder mit Technik und Computern verbringen.
Falls also jemand einen ausgebildeten Informatiker mit einem Jahr Berufserfahrung dazu Flugerfahrung sucht, der sehr engagiert und initiativ seine Ziele verfolgt, sollte sich jetzt melden :)

Euch danke ich für die viele Unterstützung, die vielen Mails und SMS und natürlich das Interesse an meinem Geschriebenen. Es war eine super Zeit, und wie sagt man so schön:

“Das Leben geht weiter”

Michael


About this entry